Die Gesamtbanksimulation erweitert die Möglichkeiten und bietet eine verbesserte Grundlage für die Analyse und Interpretation von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Die Anwendung Gesamtbanksimulation ist ein Instrument zur integrierten, szenarioabhängigen Simulation von Kennzahlen der Gesamtbanksteuerung, bezogen auf einen mehrjährigen Zeithorizont. Auf aggregierter Ebene können integriert Bilanz-, GuV- und diverse Profitabilitäts- und regulatorische Kennzahlen simuliert werden. Der Funktionsumfang von GBS umfasst dabei unter anderem die Mittelfristplanung sowie die Simulation von Szenariorechnungen im Kontext der normativen Perspektive der Risikotragfähigkeit. Die integrierte Betrachtung aller relevanten Risikoarten

  • Adressenrisiken
  • Marktpreisrisiken
  • Liquiditätsrisiken sowie 
  • operationelle Risiken

ist ein zentraler Bestandteil der Anwendung. Neben dieser periodischen Sichtweise enthält GBS Funktionalitäten, welche für die Umsetzung der ökonomischen Perspektive der Risikotragfähigkeit benötigt werden. Mit Hilfe von IDH-GBS als einheitlichem Standardinstrument in der Sparkassen-Finanzgruppe können nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllt, sondern die Institute bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen unterstützt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Standardisierungder Prozesse in der Banksteuerung. Nähere Informationen dazu finden Institute auch unter #mynewstandard

WAS LEISTET DIE GESAMTBANKSIMULATION?

IDH-GBS bietet signifikante Verbesserungen, insbesondere in Bezug auf Integrität der Daten, Flexibilität und Methodik. IDH-GBS bietet eine umfassende, integrierte, mehrjährige Betrachtung aller relevanten betriebswirtschaftlichen Kennziffern einer Sparkasse. Dies umfasst insbesondere normative Steuerungsgrößen wie 

  • Kernkapitalanforderung,
  • SREP-Gesamtkapitalanforderung
  • kombinierte Pufferanforderung
  • Eigenmittelzielkennziffer sowie 
  • Strukturanforderungen bezüglich des Kapitals, etwa Höchstverschuldungsquote und Großkreditgrenzen. 

Diese breite Perspektive ermöglicht es zukunftsorientierte Strategien effektiver zu entwickeln und umzusetzen.

VORTEILE DER GBS FÜR DIE SPARKASSEN

Mit IDH-GBS ergeben sich für die Sparkassen zahlreiche Vorteile. Eine verbesserte und aufsichtskonforme Risikosteuerung und Compliance wird durch die Integration der verschiedenen Risikoarten und eine umfassendere Sichtweise erreicht. Effizienzsteigerungen ergeben sich durch standardisierte, zentral bereitgestellte Methoden und Parameter, die zu einer vereinfachten und konsistenteren Arbeitsweise führen. Darüber hinaus unterstützt die Anwendung strategische Entscheidungen durch eine integrierte Betrachtung von Risiken und Geschäftstätigkeit. Diese ganzheitliche Perspektive ermöglicht es, Chancen und Risiken besser zu bewerten und fundierte strategische Entscheidungen zu treffen.

VERÄNDERUNGEN IN DER ARBEITSWEISE

Die Implementierung von IDH-GBS führt zu wesentlichen Veränderungen in der Arbeitsweise von Sparkassen. Denn, um die Vorteile tatsächlich zu realisieren, ist es maßgeblich, in der Sparkasse die zugehörigen Standards anzuwenden. Nur wenn von Beginn an die Daten eine gute Qualität haben und Geschäfte standardisiert erfasst werden, können auch in den nachfolgenden Prozessschritten die manuellen Tätigkeiten deutlich reduziert werden. Dies führt wiederum zu einer Verbesserung der Entscheidungsgrundlage und -prozesse. Im Rahmen des Parallelbetriebs lernen die Institute das Handling der neuen Anwendungen kennen. Aufgrund der Komplexität sind dafür auch die Ressourcen in den Häusern gefordert. Erst nach dem Umstieg sind die Prozessverbesserungen spürbar.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Das zeigen auch die Rückmeldungen der Teilnehmenden aus der Sprintserie. 14 Institute haben bis Februar erfolgreich den »Sprint« zum Umstieg auf IDH-GBS absolviert. Den intensiven Austausch in den 15 Kalenderwochen belegen rund 20 Austauschtermine je Institut, fast 30 Termine im Rahmen des Dry Runs zum LSI-Stresstest für jedes Institut sowie 12 Workshoptermine. Mit viel Engagement und einer gehörigen Portion Pragmatismus gelang das große Ziel. Nun freuen sich die Sprinter über den Lohn für die Mühe. Dies belegen auch die Berichte der ersten Umsteiger. Alexander Waidelich, Leiter Treasury der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau: »Wir werden bei der Erstellung der Daten eine deutliche Prozessverbesserung haben. Diese ist auch zwingend erforderlich, um die zeitlichen Ressourcen für die fachlichen Anforderungen aus dem Aufsichtsrecht zu haben. GBS bedeutet mehr Steuerung, kreativere Maßnahmenfindung und fachlich tiefer gehende Diskussionen. Darauf freuen wir uns im Jahr 2024.«

Marco Bormann, Bereichsleiter Unternehmenssteuerung der Kreissparkasse Saarpfalz: »Der Übergang zu IDH-GBS stellt für uns eine bedeutende Verbesserung dar, da nun verschiedene Funktionen, die zuvor in unterschiedlichen Excel-Tabellen bearbeitet wurden, aus einer Anwendung herauskommen. Im Oktober 2023 haben wir den gesamten Kapitalplanungsprozess mit dieser neuen Anwendung durchgeführt. Die Integration von Zinssimulation, Ertragsprognosen, Risikomessung und Kapitalplanung in einem Tool reduziert Fehlerquellen und spart erheblich Zeit.«


Marco Bormann
Bereichsleiter Unternehmenssteuerung
»Der Wunsch, neue Module im Bereich Liquiditätsrisiko zu testen und die Doppelbelastung durch die Pflege alter und neuer Systeme zu vermeiden, trieb uns an. Die Unterstützung durch FI und SR während der Sprintserie und die Möglichkeit, direkt mit Entwicklern zu sprechen, waren für uns sehr wertvoll.«


SPRINTSERIE BIETET WERTVOLLEN AUSTAUSCH MIT DEN ENTWICKLERN

Die Motivation zur Teilnahme an der Sprintserie erklärt Marco Bormann so: »Das basierte auf unserer langjährigen Erfahrung schon aus den Vorprojekten wie der End-to-End-Praxisverprobung. Der Wunsch, neue Module im Bereich Liquiditätsrisiko zu testen und die Doppelbelastung durch die Pflege alter und neuer Systeme zu vermeiden, trieb uns an. Die Unterstützung durch FI und Sparkassen Rating und Risikosysteme (SR) während der Sprintserie und die Möglichkeit, direkt mit Entwicklern zu sprechen, waren für uns sehr wertvoll.« Ähnlich äußert sich Alexander Waidelich: »Wir haben bei der Startserie mitgewirkt, bei der Erprobungsserie teilgenommen und unseren Beitrag geleistet als Intensiverprobungsinstitut. Da war für uns klar, wir gehen in die Sprintserie, um die Doppelbelastung so schnell wie möglich loszuwerden.«

GUTE AUFSTELLUNG WICHTIG FÜR DEN ERFOLG

Die Aufstellung im eigenen Haus bzw. die Unterstützungdurch zertifizierte Partner schildert Alexander Waidelich wie folgt: »Wir haben schnell erkannt, dass das Projekt nicht so nebenbei laufen kann. Das Treasury, das bei uns im Haus keine Handelseinheit, sondern eine Strategieeinheit ist und das Controlling haben einige Ressourcen für das Projekt abgestellt. Wir haben also eine Fokussierung auf die zahlreichen Aufgaben vorgenommen. Das ging nur durch deutliche Abstriche bei anderen Themenstellungen wie Kalkulation, Funding usw. Die Zusammenarbeit mit unserem zertifizierten Partner und SVBW war und ist sehr gut. Auch der regelmäßige Austausch mit der FI und der SR sind für uns hilfreich gewesen.« 

In Saarpfalz, so schildert es Marco Bormann, war vor allen Dingen der Bereich Controlling und das Risikocontrolling stark eingebunden: »Die Integration von Steuerungssichten und die Berücksichtigung verschiedener Risikoaspekte in der neuen Anwendung erforderten eine intensive Beschäftigung. Obwohl wir bereits lange mit GBS arbeiteten und der Unterstützungsbedarf durch zertifizierte Partner nicht ganz so hoch war, nutzten wir deren Angebot für den Kapitalplanungsprozess im Oktober 2023, was sehr gut funktionierte.«

LEARNINGS FÜR ZUKÜNFTIGE ROLLOUTPROJEKTE

Doch es gibt auch Verbesserungsvorschläge für zukünftige Rolloutprojekte. Alexander Waidelich sieht hierbei vor allen Dingen eine zielgerichtete Kommunikation und einfache Leitfäden für den Start als essenziell an: »Das Schulungsangebot war in Teilen zu umfangreich und zu wenig auf den Punkt gebracht. Hier hätte aus meiner Sicht das ein oder andere Erklär-Video ausgereicht. Was für uns sehr hilfreich war, dass wir immer mit allen Kollegen in die Schulungen gegangen sind und daraus sehr schnell Synergien ziehen konnten.«

Ähnlich sieht es Marco Bormann und ergänzt: »Die Schulung und der Informationsaustausch während der End-to-End Praxisverprobung waren herausfordernd, da Informationen nicht zentralisiert waren und Dopplungen auftraten. Im Rahmen der Sprintserie verbesserte sich der Austausch deutlich. Schulungen sollten idealerweise zeitnah zu den technischen Umsetzungen erfolgen, um die Nachvollziehbarkeit zu erhöhen. Die aktuell von FI angebotenen Schulungen sind sehr gut und tragen dazu bei, das Wissen breit in unserem Haus zu verteilen.«


Alexander Waidelich
Leiter Treasury
»Wichtig ist die Fokussierung auf das Projekt und ausreichend zeitliche Ressourcen einzuplanen. Zudem gilt es den Wissenstransfer von Anfang an herzustellen und gemeinsam in die Schulungen zu gehen. Der Austausch und die enge Zusammenarbeit im eigenen Haus sind wichtig für das Gelingen des Projektes.« Nebenher und allein sei das nicht zu schaffen.«


ZUSAMMENARBEIT EIN ERFOLGSFAKTOR

Besonders die Zusammenarbeit mit der SR, den Regionalverbänden, zertifizierten Partnern und der FI wird von beiden Umsteigern ausdrücklich gelobt. Alexander Waidelich: »Der Austausch mit den Partnern SVBW, DSGV, SR, zertifizierten Partnern und FI war für uns sehr hilfreich. Bei allen Problemen und auch kritischen Diskussionen war und ist die Zusammenarbeit eine gute Erfahrung für uns. Es gab eine Entwicklung bei allen Beteiligten im Laufe des Projekts und das ist eine tolle Sache. Rückblickend hatte ich sehr angenehme Gespräche in Landshut auf der Fachtagung und der Austausch und die Zusammenarbeit beim FI-Forum waren sicher Highlights des Jahres.«

FLEXIBILITÄT, GEDULD UND EIN WENIG LEIDENSFÄHIGKEIT

Auch für Sparkassen, die den Wechsel noch vor sich haben, haben beide Umsteiger Tipps parat. Alexander Waidelich: »Wichtig ist die Fokussierung auf das Projekt und ausreichend zeitliche Ressourcen einzuplanen. Zudem gilt es den Wissenstransfer von Anfang an herzustellen und gemeinsam in die Schulungen zu gehen. Der Austausch und die enge Zusammenarbeit im eigenen Haus sind wichtig für das Gelingen des Projektes.« Nebenher und allein sei das nicht zu schaffen. Und: »Ein gewisses Durchhaltevermögen muss man auch mitbringen, aber das sind Banksteuerer ja gewohnt.« Für Marco Bormann ist vor allen Dingen entscheidend, wie sich ein Institut dem Projekt nähert: »Wichtig ist, realistische Erwartungen zu haben und zu akzeptieren, dass nicht sofort alles perfekt läuft. Konzentrieren Sie sich darauf, dass die wesentlichen Prozesse funktionieren und die Ergebnisse plausibel sind. Flexibilität und Geduld bei kleineren Anfangsschwierigkeiten sind entscheidend für eineerfolgreiche Implementierung und Weiterentwicklung.«